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#75 Östrogen mit Kati Siemens






 

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Östrogen ist das bekannte weibliche Hormon, das auch das Wachstumshormon genannt wird, weil es für viele Körperprozesse verantwortlich ist, die Reichtum repräsentieren: volle Haare, gesunde Nägel, Energie, Schönheit, Selbstbewusstsein.

Natürlich ist zuviel des Guten aber auch nicht gut. Deshalb erkläre ich dir die verschiedenen Östrogenarten und wie es zu einer Östrogendominanz kommen kann und wie sich das genau auf deinen Körper auswirkt.

Shownotes:
#73 Der weibliche Zyklus (56): Link
#1 Darmgesundheit: Link
#14 Viamine: Link
#15 Mineralstoffe: Link
#18 Giftstoffe: Link
#25 erste Schritte – Ernährung und Darmgesundheit: Link

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Östrogen ist bekannt als das weibliche Geschlechtshormon und wird aus Kolesterol hergestellt – genau, du hast richtig gehört – das Kolesterol, das über Jahrzehnte verteufelt wurde, ist der Samen aus dem Sexualhormone hergestellt werden.
Lass mich hier erst einmal etwas weiter ausholen:

Jedes Hormon im Körper wird aus bestimmten Bausteinen zusammengestellt. Unser Körper ist nämlich kein Bankkonto auf dem Kalorien einfach gezählt und an- oder abgebaut werden, sondern er ist ein Chemielabor. Alles was durch Nahrung und Pflegeprodukte oder auch Atemluft aufgenommen wird, muss verarbeitet werden.

Im Fall von Sexualhormonen braucht der Körper zu aller erst Vitamin B5. Dies wird dann umgesetzt in LDL, das „schlechte Kolesterol“. Daraus wird Prognenolon hergestellt das auch die Mutter der Sexualhormone genannt wird.
Ein Anteil des Pregnenolon geht nun in die Produktion von Östrogen und Testosteron und der andere Anteil in die Herstellung von Progesteron, bzw. Kortisol, das Stresshormon.

Das bedeutet mit anderen Worten, dass wir ausreichend Vitamin B5 brauchen, das der Körper wiederum aufnehmen und umwandeln kann so dass ausreichende Mengen an Sexualhormonen wie Östrogen und Testosteron hergestellt werden können.

Hormone sind grundsätzlich dafür da Kommunikation zwischen Zellen und Körperbereichen zu ermöglichen. Die Kommunikation funktioniert so, dass in Körperzellen Rezeptoren bestehen, die man sich wie ein Schlüsselloch vorstellen kann. Ein Hormon, wie z.B. Östrogen funktioniert dabei wie ein Schlüssel und beinflusst damit einen Prozess – entweder wird er aktiviert oder deaktiviert.

Bevor wir uns weiter mit Östrogen beschäftigen ist es außerdem wichtig zu bemerken, dass Östrogen nicht nur ausschließlich auf Frauen begrenzt ist, sondern auch in Männern und Kindern produziert wird – nur in anderen Mengen und die Produktion findet in anderen Körperbereichen statt. Alle Menschengruppen stellen Östrogen in Fettzellen, der Haut, Leber und den Nebennieren her. Erwachsene Männer stellen kleine Mengen an Östrogen in den Hoden her. Menstruierende Frauen produzieren Östrogen in den Eistöcken während der Follikularphase und der Lutealphase. Die Mengen an Östrogen sind bei menstruierenden Frauen wesentlich höher als in anderen Menschengruppen.

Wofür ist Östrogen gut?

Zum einen ist es eins der größten Treiber für die Pubertät und ist verantwortlich für die Entwicklung der weiblichen Brust, sowie Schambehaarung. Außerdem ist Östrogen natürlich entscheident für den weiblichen Zyklus, wie wir in Episode #56 schon besprochen haben.

Das ist aber nicht alles! Östrogen ist außerdem entscheident für Knochengesundheit, Haargesundheit und auch Schleimhautentwicklung sowie lebido und kognitiver Funktionen. Östrogen ist eins der Hormone, deren Abwesenheit definitv bemerkt wird!

Grundsätzlich gibt es vier verschiedene Östrogentypen, die man unterscheiden kann:

Östradiol: Dies ist die aktivste Form von Östrogen, die stark im Menstruationsprozess involviert ist. Dies ist eine sehr starke Form und bindet sich sehr fest an die Östrogenrezeptoren. Daher ist es die wichtigste Östrogenform und wenn von Östrogen die Rede ist, wird meist Östradiol gemeint.

Öströn: Dies wird hauptsächlich in Körperfett produziert, aber auch in den Eierstöcken und der Gebärmutter. Es ist zwar eine schwache Form, kann aber zu einer Östrogendominanz führen wenn zuviel Körperfett vorhanden ist und zuviel Öströn ausgeschüttet wird.

Östetrol: es ist eins der Östrogenhormone, die während der Schwangerschaft beteiligt sind. Dieser Type von Östrogen wird von der Gebärmutter mit Hilfe des Fötus hergestellt und startet ungefähr fünf Wochen nach der Einnistung. Diese Form ist ebenfalls eine schwache form und bindet sich nicht fest an die Östrogenrezeptoren.

Östriol: Diese vierte Form von Östrogen wird von der Leber des Fötus hergestellt und wird nur während der Schwangerschaft hergestellt. Da Östradiol die stärkste Östrogenform im weiblichen Körper bildet, werde ich im folgenden, wenn ich über die Funktionen von Östrogen spreche, darauf beziehen.

Hauptsächlich ist es, wie schon vorher erwähnt, für den weiblichen Zyklus verantwortlich und spielt vor allem im ersten Teil, der Follekularphase eine entscheidende Rolle. Es wird vom Eisäckchen gebildet und schüttet mehr und mehr Östrogen aus je weiter man in der Follikularphase voranschreitet und näher zum Eisprung kommt. Kurz vor dem Eisprung wird der Östrogenlevel so hoch, dass er das Gehirn triggert das Hormon LH (luteinizierendes Hormon) auszuschütten, das wiederum den Eisprung hervorruft. In diesem Zeitraum stoppt das Eiblässchen die Produktion von Östrogen und der Wert sinkt.

In der Lutealphase wird weiterhin Östrogen vom Corpus Luteum, das nun leere Eiblässchen, hergestellt. Der Wert ist allerdings geringer. Im Verlauf des Zyklus macht sich die Östrogenmenge auf verschiedene Arten bemerkbar:

  • Der Ausfluss verändert sich in Form und Farbe, wie schon im letzten Podcast angesprochen
  • Kurz vor dem Eisprung haben viele Frauen weniger ölige Haut und Haare
  • Auch der Lebido verändert sich zum Eisprung hin

Nach dem Eisprung, wenn die Östrogenmenge reduziert wird, treten folgende Veränderungen auf:

  • Die Basaltemperatur steigt etwas
  • Manche Frauen bemerken sensiblere Haut im zweiten Teil ihres Zyklus was mit der reduzierten Östrogenausschüttung zu tun haben könnte
  • Nun treten auch PMS Symptome wie Kopfschmerzen, Brustziehen und Stimmungsschwankungen auf.

Kurz vor dem neuen Zyklus, wenn sowohl Östrogen alsauch Progesteronwerte stark sinken, äußert sich das bei manchen Frauen mit migräneartigen Kopfschmerzen da der Östrogengehalt so stark sinkt.

Natürlich kann man die Östrogenwerte auch messen lassen um feststellen zu können ob sie sich im Normalbereich befinden. Dies ändert sich natürlich von Tag zu Tag und deshalb ist es sinnvoll einen Speicheltest durchzuführen, der die Hormonwerte über den gesamten Zyklus misst – und nicht nur an einem einzigen Tag. Wichtig ist auch zu beachten, dass die Werte nicht akurat sind wenn man jegliche Form von künstlichen Hormonen zu sich nimmt!

Was sind gesunde Östrogenwerte?

Östradiolwerte hängen sehr stark von der Messmethode und dem Labor ab. Auch können die Werte von Zyklus zu Zyklus sehr unterschiedlich sein und stark schwanken – besonders wenn man stressige Lebensphasen erlebt, hormonelle Verhütung nutzt oder auch Xenoöstrogenen ausgesetzt ist.

Grundsätzlich empfehle ich einen Speicheltest machen zu lassen um die Werte zu ermitteln da man hier, anders als bei der Blutabnahme, einen besseren und genaueren Überblick gewinnen kann und die Werte nicht nur auf isolierte Tage beschränkt sind sondern den gesamten Zyklus abdecken.

Bluttests:

  • Frühe Follikularphase: 20-150 pg/mL (73-551 pmol/L)
  • Östrogenhöhepunkt kurz vor dem Eisprung: 40-350 pg/mL (551-2753 pmol/L)
  • Lutealphase: 30-450 pg/mL (110-1652 pmol/L) (18)

Östrogendominanz

Immer wieder hört man von Östrogendominanz und dass dies im Zusammenhang mit vielen Symptomen wie PMS, ausbleibendem Eisprung und vielem mehr einher geht. Aber was genau bedeutet Östrogendominanz?

Wie vorher schon erwähnt, ist die Anhaftung der verschiedenen Östrogenarten an den Rezeptoren sehr unterschiedlich und deshalb hat eine hohe Menge an Östradiol einen ganz anderen Effekt als z.B. Xenoöstrogene, die man durch Plastikgebrauch oder auch in Pflegeprodukten finden kann.

Trotzdem macht die Menge den Unterschied und selbst wenn andere Östrogenarten schwache Formen sind, führen sie trotzdem zu Östrogendominanz weil sie einfach ständig vorhanden sind.

Für den Körper bedeutet dass, dass er früher oder später die natürliche Östrogenproduktion reduziert und deshalb zu wenig Östradiol produziert wird – obwohl eine Östrogendominanz besteht!

Ein weiterer Grund für Östrogendominanz ist zu wenig Progesteron.

Wie wir letzte Woche schon besprochen haben, stehen Östrogen und Progesteron einander gegenüber und es ist wichtig, dass das richtige Hormon in der richtigen Phase dominiert.

Nun ist es bei vielen Frauen so, dass einfach zu wenig Progesteron hergestellt wird und deshalb ist Östrogen selbst bei einem gesunden Wert viel höher als Progesteron was darauf den Wert aus der Balance bringt.

Symptome von Östrogendominanz können folgende sein:

Für Frauen

– PCO Syndrom
– Gewichtszunahme, vor allem an der Hüfte und den Oberschenkeln
– Menstruationsstörungen wie sehr schwache oder sehr starke Blutung
– PMS Symptome, die immer schlimmer werden (Krämpfe, Kopfschmerzen, Brustziehen usw. vor und während der Periode)
– Fibrozystische Brüste (Knötchen in der Brust, die nicht krebsartig sind)
– Fibroids (gutartige Tumore in der Gebärmutter)
– Erschöpfung
– Lustlosigkeit
– Depression und Angstzustände

Für Männer

– vergrößerte Brüste (Moobs)
– Errektionsstörungen
– Unfruchtbarkeit

Eine weitere Ursache für Östrogendominanz, die selten angesprochen wird, ist Verdauungsbeschwerden.

Bestehen Verdauungsprobleme wie Verstopfungen, wird das Östrogen, das eigentlich durch den Stuhl abtransportiert werden sollte, wieder aufgenommen und gelangt zurück in den Körperkreislauf und führt damit zu einem erhöhten Östrogenwert.

Deshalb ist ein regelmäßiger Stuhlgang so wichtig für den Hormonhaushalt. Hat man einen unregelmäßigen Stuhlgang, also seltener als täglich, können viele Abfall- und Schlackestoffe, aber auch die genutzen Hormone nicht effizient abtransportiert werden.

Natürlich kann auch zu wenig Östrogen hergestellt werden.

Das äußert sich dann mit folgenden Symptomen:

– Die Periode kommt seltener oder stoppt
– Hitzewallungen und Nachtschweiß
– Schleimhauttrockenheit und dünnerwerden der Vagina
– sexuelle Lustlosigkeit
– Stimmungsschwankungen
– Trockene Haut

Bei Männern:

– Bauchfett
– sexuelle Lustlosigkeit